Alessandro Alfieri ist 29 Jahre alt und arbeitet seit zwei Jahren bei Cobalt im Bereich Finance & Banking. Er ist ledig und gebürtiger Italiener. Dennoch ist er stark verwurzelt in München, wo er lebt und aufgewachsen ist. Im Interview spricht er über die Anforderungen seines Jobs und darüber, wie Bewerber und Arbeitnehmer trotz immer höherer Ansprüche von beiden Seiten zusammenfinden können.

Alfieri Alessandro Consultant

Erzähl uns mehr über Deine Aufgaben bei Cobalt Recruitment. Welche Division betreust du, was qualifiziert Dich für den Job?

Ich betreue die Division Finance und was mich für den Job qualifiziert, kann ich an drei Parametern festmachen: Zum einen ist es die fachliche Kompetenz. Ich bin ein großer Freund davon, dass man die Themen, über die man mit Kunden und Kandidaten spricht, im Detail verstehen kann. An zweiter Stelle stehen meine sozialen Kompetenzen. Empathie ist in meinen Augen der wichtigste Part und ein elementarer Bestandteil, da wir schließlich ein People Business sind. Ich muss fähig sein, mich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und herausfinden, was seine wirkliche Wechselmotivation ist und welche Charaktere zu welchem Unternehmen und zu welchen Strukturen passen. Der CV und die fachlichen Stärken reichen nicht aus, denn es ist wichtig, den Menschen hinter dem Papier kennenzulernen. Dies stellt sicherlich den spannendsten und größten Teil dar. Und zu guter Letzt spielen auch meine persönliche Grundhaltung und mein Mindset eine Rolle. Diese passen hervorragend in die Strukturen und Anforderungen von Cobalt.

Wie sehen Deine Arbeitsabläufe und ein typischer Arbeitstag aus?

Diese Frage ist mittlerweile ziemlich schwer zu beantworten. Es ist ein sehr dynamischer Prozess, sicherlich auch sehr projektabhängig. Es gibt Tage und Wochen, in denen der Fokus mehr auf der Kundenseite liegt, sich wiederum dann auf die Kandidatenseite verlagert. Die vorhin erwähnten Projekte sind ebenfalls nebenbei am laufen. Man ist selbst gefordert, seine eigenen Prozesse zu priorisieren und zu strukturieren, deswegen macht es das Ganze auch sehr spannend und abwechslungsreich, wenn nicht jeder Tag so abläuft wie der andere.

Wie bist Du zu Cobalt Recruitment gekommen? Wolltest Du schon immer in dieser Branche arbeiten?

Zufällig. Ich war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Damals in meiner Findungsphase, als ich mich entschlossen habe, mich vom Profifußball zu verabschieden, habe ich live mitbekommen, wie mein Bruder von einem Headhunter angerufen wurde und abgeworben werden sollte.

Ich war überzeugt von den Fähigkeiten des Headhunters und als das Gespräch zu Ende war, machte mich mein Bruder darauf aufmerksam, dass diese Branche genau das Richtige für mich sei, da ich gerne mit Menschen arbeite, sie motiviere und über die nötige Überzeugungskraft verfüge. Außerdem interessierte ich mich schon immer für Psychologie, vor allem im wirtschaftlichen Zusammenhang.

Also machte ich mich schlau. Wichtig war für mich, ohne Quereinstieg in die Branche zu gelangen und so begann ich eine Ausbildung, sammelte Berufserfahrung und jetzt bin ich hier. Im Moment studiere ich sogar berufsbegleitend im sechsten Semester und werde voraussichtlich nächsten Sommer fertig sein. Glücklicherweise kann ich bis heute sagen, dass dies die richtige Entscheidung war. Mit der von mir aufgebauten und stabilen Grundlage einer Ausbildung und eines Studiums wird sich sicherlich noch die ein oder andere Tür öffnen.

Welche Entwicklungen kannst Du in der Branche, in der Du spezialisiert bist, beobachten?

In den letzten zwei bis drei Jahren hat sich ein Wandel im Kunden- und Kandidatenmarkt bemerkbar gemacht. Mittlerweile haben wir es oft mit Kandidaten zu tun, die neben den von uns generierten Angeboten drei bis vier parallel laufende Angebote haben. Das macht das Ganze leider nicht so einfach. Die Kandidaten sind in der glücklichen Lage, sich die Jobs aussuchen zu können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass es nicht mehr nur auf die fachlichen Kompetenzen ankommt, da die Gewichtung auf die persönlichen Faktoren stark zugenommen hat.

Wir müssen besondere Achtsamkeit darauf geben, ob der Kandidat vom Charakter, Drive und Set Up in die Firma passt. Außerdem ist es wichtig schon vorab zu klären, ob der Kandidat ein Konzern-Typ ist, ob er geregelte Abläufe oder eher ein dynamisches Unternehmen braucht. Die Anforderungen sind sowohl auf Kandidaten-, als auch auf Kundenseite gestiegen und der persönliche Eindruck spielt eine immer entscheidendere Rolle. Das Gehaltspaket, welches früher dazu diente, einen Kandidaten von der Stelle zu überzeugen, steht heutzutage nicht mehr an erster Stelle. Arbeitgeber müssen ihre Attraktivität als Arbeitgeber präsentieren und sich quasi bei den Bewerbern selbst bewerben.
Warum sollte man bei diesem Unternehmen arbeiten wollen? Gibt es Perspektiven für Entwicklungen oder ist man in fünf Jahren immer noch in der gleichen Position? Home-Office, flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten sind fast schon ein Selbstverständnis. Sofern es nicht angeboten wird, ist es für uns ziemlich schwierig geworden, Kandidaten die Stelle schmackhaft zu machen. It’s all about Work-Life-Balance!

Was war Dein größter Erfolg bei Cobalt Recruitment?

Es ist schwierig, das an einem einzigen Ereignis festzumachen. Ich betrachte eher meine Entwicklung als Erfolg. Der größte Vertrauensbeweis ist die Verantwortung, welche ich in letzter Zeit immer mehr übernehmen durfte. Von der Kundenseite bis hin zu den Personalleitern und der Geschäftsführung konnte ich ein sehr vertrauliches, transparentes Verhältnis aufbauen. Und bis heute pflege ich engen Kontakt und Austausch mit Kandidaten. Die gesamte Kette, die sich in den letzten beiden Jahren entwickelt hat, ist dementsprechend mein größter Erfolg.

Wie gehst du mit schwierigen Projekten um, bei denen die Aussichten auf eine Vermittlung schlecht stehen, weil die Stelle z.B. zu hohe Anforderungen hat? Kam das schon einmal vor?

Sicherlich, denn das ist unser Business. Wir dürfen nicht die Grundeinstellung halten, dass alles immer glatt läuft, denn hier sind wir in unserer produktiven Denkweise gefragt, um eventuelle Stolpersteine aus dem Weg räumen zu können. Die 100%ige Garantie, alles vorauszusehen, hat man trotzdem nicht. Wie man damit umgeht, beantwortet die zweite Frage, denn hier sind wieder Empathie und soziale Kompetenzen gefragt. Wie kann man es schaffen, dieses Projekt doch noch erfolgreich zu gestalten? Man muss sich mit einer unvoreingenommenen Meinung in die Lage des Kunden und des Kandidaten hineinversetzen und versuchen, beide abzuholen und Lösungsvorschläge zu bieten. Der richtige Ansatz ist immer die Kommunikation. Ich schlage mich weder auf die Kunden- noch auf die Kandidatenseite, denn Transparenz und Ehrlichkeit zahlt sich bei beiden Seiten aus. In der Regel kommt es dann mit viel Fingerspitzengefühl doch noch zu einer erfolgreichen Beendigung des Projekts.

Welche Kriterien muss eine Bewerbung Deiner Ansicht nach erfüllen?

Vorab erst einmal die formalen Aspekte. Ein ordentliches Bewerbungsfoto, keine Rechtschreibfehler, ein lückenloser Lebenslauf oder eine Erklärung der Lücken. Nichtsdestotrotz achte ich nicht nur auf die formalen Papiere und Abschlüsse, denn ich greife gerne mal zum Hörer, wenn bei einer Bewerbung eine Frage aufkommt. Schon öfters wurde ich dann von dem persönlichen Auftreten so überzeugt, dass wir letztlich auch den Kunden überzeugen konnten, obwohl die Lebensläufe bei dem ein oder anderen Unternehmen wahrscheinlich sofort ad acta gelegt worden wären.

Wie stehst Du zu dem Thema bargeldlos? Wie hat die Digitalisierung die Bankenwelt in Deinen Augen verändert? Werden sich Vakanzen in diesem Bereich entwickeln? Wie schätzt Du die Entwicklung der Systeme zum bargeldlosen Bezahlen in Deutschland ein?

Zum Thema bargeldlos - es bringt Pros und Contras mit sich. Ich bin weder stark dafür noch dagegen. Das Bargeld garantiert die Privatsphäre und, dass nicht jede Zahlung nachverfolgt werden kann. Das Sicherheits- und Datenschutzproblem muss ebenfalls diskutiert werden. Psychologisch gesehen ist der Mensch ein Gewohnheitstier und wenn ihm eine Gewohnheit genommen wird, stößt das erstmal auf Gegenwehr. Wir sehen in Schweden, dass es funktioniert, denn hier wird das Bargeld nach und nach abgeschafft. In Deutschland ist ja bekannt, dass der Großteil der Bevölkerung immer noch bar zahlt, deswegen wäre ich ein Freund davon, wenn man die Möglichkeit hätte, sich nicht komplett einzuschränken und kleine Einkäufe im Supermarkt immer noch bar bezahlen könnte. Das bargeldlose Bezahlen hat natürlich auch Vorteile: Es geht sehr schnell, ist bequem, es erleichtert die Einkäufe. Bargeld kann leichter verloren oder gestohlen werden. Ich selbst habe immer ein wenig Bargeld dabei, zahle aber den Großteil mit Karte, Paypal oder Apple Pay – was ja nach und nach im Kommen ist. Ich glaube, dass wir von der deutschen Kulturmentalität her noch nicht so weit wie die Schweden oder allgemein die Skandinavier sind. Das größte Hindernis ist wirklich der Eingriff in die Privatsphäre, denn man hinterlässt digitale Spuren mit dem bargeldlosen Bezahlen und damit ist nicht jeder konform. Ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt, denn sicherlich ist die Tendenz dahingehend, dass nach und nach alles bargeldloser wird. Dies merke ich schon daran, dass viele Bekannte und Freunde aus dem Umkreis mit ihren Smartphones bezahlen.

Online-Banking schließt direkt an das nächste Thema, die Digitalisierung von Banken, an. Auch hier hat sich sehr viel getan. Meines Erachtens nach haben die Banken kurz vor zwölf erkannt, dass man die Digitalisierung in keinem Fall unterschätzen darf - eher im Gegenteil. Man bekommt mit, dass viele große Banken Kooperationen und Allianzen mit Fintech-Unternehmen bilden, um Prozesse zu professionalisieren und effizienter zu gestalten. Als Beispiel dienen die personalisierten Dienste und die Konditionen über alle Vertriebskanäle.

Durch Big-Data und künstliche Intelligenz kann mehr Wertschöpfungspotenzial generiert werden. Einem Privatmann, der eine private Baufinanzierung haben möchte, wird nicht nur ein einziges Anlageprodukt verkauft, sondern zusätzlich andere Produkte zu seiner Baufinanzierung – an die individuellen Bedürfnisse angepasst. Prozesse werden also schneller und effizienter gestaltet. Eine Bank kann so ihre komplette Produktpalette integrieren. All diese Prozesse wurden bereits angestoßen und die Banken sind dabei, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Die einen haben früher damit angefangen, die anderen später - verschlafen hat es niemand.

Die Frage, die wir uns schließlich stellen müssen, ist: Welche Positionen werden noch relevant sein und für welche Position braucht man überhaupt noch einen Menschen? Was ein System, Tool oder Big Data nicht kann, ist dem Ganzen den letzten Feinschliff verleihen. Man entwickelt Vertrauen zu einer Person, nicht zu einer Maschine. Wenn man seinen langjährigen vertrauten Bankmann hat, denke ich nicht, dass ein menschenloser Kontakt durch die Digitalisierung das zu 100% ersetzten wird. Auch ein Finanzierungsberater wird, vor allem im gewerblichen Bereich, nicht ersetzt werden können. Ich bin eher der Meinung, dass das Thema Digitalisierung in den Banken integriert werden muss und der Mehrwert eines Menschen und Beraters nicht vergessen werden darf. Denn nur über einen persönlichen Berater habe ich die Möglichkeit, in Verhandlungen zu gehen und durch seine Netzwerke zu profitieren. Schlussendlich kann ein System keine Empathie erzeugen.

Zu erkennen sind vor allem Veränderungen im Retail Geschäft. Den klassischen Schalterservice, zu dem man früher hingegangen ist, um Geld abzuheben, nutzt mittlerweile nur noch ein marginaler Anteil der Bevölkerung. Vor allem die junge, nachkommende Generation handelt das meiste über Apps und online ab. Neu generierte, auf die Finanzwelt ausgerichtete Positionen werden wohl in der IT und App-Entwicklung, sowie in der Front-End-Entwicklung, Systemadministration und Software-Entwicklung sein. Welche Positionen wegfallen werden, wird sich noch zeigen. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es darum geht, die Digitalisierung bestmöglich in die Banken zu integrieren, um mit den schnelllebigen Prozessen mithalten zu können.

Welche Tipps würdest Du heutigen Berufseinsteigern in deiner Branche geben?

In meiner Branche würde ich vor allem jungen Kandidaten mit wenig Berufserfahrung eines an die Hand legen: Selbstreflexion und eine gesunde Einschätzung der Realität. Sie sollten sich selbst fragen, was muss ich erstmal leisten, bevor ich etwas fordern kann? Kandidaten kommen von den Top-Unis, haben aber ein Selbstbild fernab der Realität. Es ist bei uns keine Seltenheit, dass Kandidaten mit einem Jahr oder gar keiner Berufserfahrung Gehaltspakete aufrufen, die vergleichbar sind mit Mitarbeitern, die 3-5 Jahre Berufserfahrung haben.

Natürlich sollte man sich niemals unter Wert verkaufen, denn die ersten Gehaltspakete sind wichtig für den Einstieg, Beförderungen und weitere Gehälter. Deshalb rate ich zu einer gesunden Selbstreflexion und nach 1-2 Jahren wird bei guter Arbeit der Erfolg ganz von selbst eintreten. Selbsteinschätzung und Selbstvertrauen sind das Wichtigste für jemanden ohne Berufserfahrung.