Das Bild zeigt einen Mann, der einen Arbeitsvertrag unterzeichnet.Die Frage, die jedes Vorstellungsgespräch beantworten will, ist: Passen Bewerber und Unternehmen zusammen? Zu Beginn des Gesprächs dürften beide Seiten die Frage grundsätzlich bejahen. Schließlich ist die fachliche Eignung für das Stellenprofil Voraussetzung, um überhaupt zu einem solchen Gespräch einzuladen bzw. eingeladen zu werden. Das Vorstellungsgespräch will hinter die Berufsbiografie des Kandidaten blicken und den Menschen kennenlernen, zu dem sie gehört.

Aus Unternehmersicht bedeutet das vor allem: Passt der Bewerber zur Kultur des Unternehmens? Wird er sich ins Team einfinden? Was motiviert oder demotiviert ihn? Wird der Bewerber das Betriebsklima belasten oder wird er ein Gewinn fürs Unternehmen sein? Welche Erwartungen stellt er an Vorgesetzte und Kollegen? Kann er vielleicht sogar andere mit seiner Begeisterung mitziehen?

Um darauf plausible Antworten zu finden, werden gerne Standardfragen gestellt. David Walker, CEO und Gründer der US-Immobilienvermittlung Triplemint, hat in über 1000 Bewerbungsgesprächen Klassiker wie die Frage nach den Stärken und Schwächen eines Bewerbers ausprobiert. Seiner Erfahrung nach reichen jedoch vier Fragen aus, um den richtigen Mitarbeiter zu finden. Sie beziehen sich alle auf ehemalige Arbeitgeber der Bewerber.

1. Wie hat das Betriebsklima bei Ihrem alten Arbeitgeber Sie motiviert oder demotiviert?

Die Antwort auf diese Frage gibt Auskunft darüber, ob und wie ein Kandidat sich mit der Firmenkultur seines alten Arbeitgebers auseinandergesetzt hat. Vor allem die Art und Weise, wie diese Frage beantwortet wird, offenbart viel von dessen Persönlichkeit. Lästert der Bewerber ansatzlos über seine alte Arbeitsstelle oder wägt er ab, erklärt und erläutert Situation und Konstellation?

Der Befragte muss zumindest indirekt auch auf eigene Stärken und Schwächen eingehen. Im schlimmsten Fall kann der Bewerber mit dieser Frage nichts anfangen. Damit würde er allerdings zeigen, dass er sich mit dem Thema Arbeitsklima noch nicht wirklich beschäftigt hat. Umgekehrt führt die Frage aber oft auch dazu, dass Bewerber offen und ehrlich darüber sprechen, unter welchen Arbeitsbedingungen sie aufblühen.

2. Wenn Sie an den besten Chef denken, den sie hatten, welche Eigenschaften zeichneten ihn aus?

David Walker stellt diese Frage immer direkt nach der ersten. Der Grund: sie zielt ebenfalls auf das Betriebsklima bzw. die Firmenkultur ab, setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt. Wurde aus der Antwort auf die erste Frage noch nicht deutlich, in welchem Klima der Bewerber aufblüht, muss er sich spätestens jetzt dazu äußern.

Bevorzugt der Bewerber vor allem klare, direkte Ansagen? Oder geht es ihm eher um Augenhöhe und den regelmäßigen Austausch mit Vorgesetzten? Für welche Dinge erwartet der Bewerber Anerkennung? Geht es ihm um Bestätigung für Ideen oder nur für fertig abgelieferte Projekte bzw. Arbeiten? Spätestens die Antwort auf die dritte Frage dieses Vorstellungsgesprächs gibt definitiv Auskunft darüber, welchen Umgangston sich der Kandidat wünscht. Recruiter, die hier gut zuhören, erfahren viel darüber, ob der Bewerber zur Firmenkultur des Unternehmens passt.

3. Wie haben Sie einen Konflikt mit einem Kollegen gelöst?

Walker stellt die Frage als Aufforderung: Der Bewerber soll beschreiben, wie er mit einem Konflikt aus der Vergangenheit umgegangen ist. Seiner Erfahrung nach, tendieren alle Menschen dazu, ehrlicher zu sein, wenn sie sich an konkrete Situationen erinnern. Die Frage lässt daher auch bewusst viel Raum für solche Erinnerungen.

An welche Art von Konflikt denkt der Kandidat? Was empfindet er als Konflikt? Zugleich ist der Bewerber aufgefordert, etwas darüber zu erzählen, wie er sich im Team verhält. Spricht er Probleme direkt an? Bleibt er dabei immer respektvoll? Konflikte wird es schließlich in jedem Team geben. Wichtig ist vor allem, wie Mitarbeiter damit umgehen.

4. Wie oft und welche Art von Feedback erwarten Sie in Ihrer neuen Position?

Die Antwort auf diese Frage gibt viel über die Erwartungen preis, die ein Bewerber an das Unternehmen stellt. Erwartet der Kandidat lediglich Rückmeldung zu seinen Leistungen oder will er eine Einschätzung seiner Persönlichkeit?

Wer Feedback nur als Formalie betrachtet, wird sich mit einem jährlichen Mitarbeitergespräch zufriedengeben. Wer dagegen glaubt, sich immer noch weiter verbessern zu können, wird sich regelmäßigere Gespräche wünschen.

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