Erich Mendelsohn, der berühmte deutsch-jüdische Architekt, war der Schöpfer eines unverwechselbaren Werkes, welches die unglaubliche Fruchtbarkeit und Dynamik seiner Vision an einem Wendepunkt der Architekturgeschichte zeigt – beim Aufbruch des Modernismus.

Nachdem er mit dem Titel „cum laude“ das Architekturstudium in München abschloss, gründete er in Berlin seine eigene Architekturpraxis, welche in kurzer Zeit eine der führenden deutschen Büros wurde. Seine Freundschaft zum Astrophysiker Erwin Finaly Freundlich, der schon seit 1917 mit Albert Einstein den Bau eines geeigneten Observatoriums plante, um die Relativitätstheorie des Physikers auch experimentell beweisen zu können, verschaffte Mendelsohn 1919 den Auftrag des Einsteinturms, der sofort zur Sensation wurde, vor allem als 1921, ein Jahr nach der Einweihung des Gebäudes, Einstein den Nobelpreis erhielt. Der außergewöhnlich expressive Bau, mit seinen sanften Kurven, zeigt Mendelsohns revolutionäre Einstellung bezüglich Materialien, Bautechniken und Ausdrucksformen der Architektur. 

Einsteimturm

Quelle: https://flic.kr/p/fDMq9m

Den organischen Kurven des Einsteinturmes folgten andere ikonische Bauten wie die Hutfabrik Luckenwalde, mit ihrem innovativen Lüftungssystem, das durch das schachtähnliche Dach realisiert wurde und der Betonrippenstruktur, die große Glasoberlichter ermöglichte, durch welche natürliches Licht für die Arbeiter in die Halle einfließen konnte.
Bemerkenswert ist auch das Mosse Haus, mit seinen dramatischen horizontalen Kurvenlinien, welches Mendelsohn zum Vorreiter der Streamline Moderne werden ließ, oder die Schocken Kaufhäuser, die ebenfalls zu Ikonen der Moderne wurden. 

Schocken Kaufhaus

Quelle: https://flic.kr/p/4HSj1Q

1933, unter dem immer größeren Druck des Nationalsozialismus, zogen Eric Mendelson und seine Frau Luise nach England, wo er sich der Praxis von Serge Chermayeff anschloss, mit dem er, in Folge eines gewonnenen Architekturwettbewerbs, eines der ersten modernen Gebäude in England erbaute: den De La Warr Pavillion.

De La Warr Pavillion

Quelle: https://flic.kr/p/brAEeq

1935 eröffnete Mendelsohn ein Architekturbüro in Palästina, durch dessen Aufträge er die moderne Architektur in den Nahen Osten brachte. Sein Entwurf für Mount Scopus Campus des Hadassah Medical Center zeigt das Bestreben, die Grenzen der Funktionalität zu überschreiten und die künstlerische Sensibilität in seine Bauwerke miteinzubeziehen, sodass durch die warmen Materialien, den ruhigen Teich, den gepflegten Innenhof und die gewölbte Veranda mit Blick auf die Stadt das Krankenhaus wahrhaftig zum Ort der Heilung wird.

Vor dem Zweiten Weltkrieg zog er gemeinsam mit seiner Frau in die USA, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1953 lebte. Wieder musste Mendelsohn bei Null anfangen und, obwohl er nicht über die amerikanische Staatsbürgerschaft verfügte, schaffte er es, neben Vorträgen an der University of California, Berkeley als Berater bei der US-Regierung zu arbeiten und später auch Aufträge innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu übernehmen.

Seine außergewöhnliche Energie und phänomenale Produktivität ermöglichten ihm eine Annäherung an die verschiedensten Vorgehensweisen für seine Entwürfe – ob Expressionismus, Moderne oder Konstruktivismus, er wanderte mit Leichtigkeit durch die verschiedenen Stile, hatte einen weltweiten Einfluss auf die Architektur und zählt somit zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts.

 

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