Nach einer Umfrage des Capital-Magazins sind Reisen in ferne Länder und eine Auszeit vom Job die beiden wichtigsten Gründe für ein Sabbatical. So nutzten 62% der Befragten die freie Zeit, um die Welt besser kennen zu lernen, 48% tankten neue Energie. Ein gutes Drittel gab an, den Freiraum genutzt zu haben, um sich neu zu orientieren. Lediglich 10% verwendeten die Zeit für Hobbys. Nur 4% verbrachten mehr Zeit mit der Familie.

Zu welchem Zweck auch immer Sie ein Sabbatical beantragen – die Finanzierung muss vorab immer geklärt sein. Wir haben uns die besten Lohnmodelle angesehen und zeigen auch, worauf Sie bei der Planung achten müssen. Da es in der freien Wirtschaft keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatjahr gibt, geben wir auch Ratschläge, mit denen Sie Ihren Arbeitgeber von einem Sabbatjahr überzeugen können.

Sabbatical Lohnmodelle

 

Vorteile eines Sabbaticals für Arbeitnehmer

Der Kern aller Lohnmodelle besteht darin, dass:

  • das Angestelltenverhältnis fortbesteht und die Beschäftigung nach dem Sabbatical wieder aufgenommen werden kann.
  • Sie auch während der Auszeit Lohn erhalten.
  • die Beiträge für die Sozialversicherung wie üblich vom Arbeitgeber übernommen werden.

Vorteile eines Sabbaticals für Arbeitgeber

Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels hat es auch für Arbeitgeber entscheidende Vorteile, Angestellten ein Sabbatical zu gewähren:

  • Sie steigern Ihre Attraktivität für Führungs- und Fachkräfte, vor allem bei der jüngeren Generation.
  • Sie halten fähige Mitarbeiter im Unternehmen.
  • Ihre Angestellten kehren mit mehr Selbstbewusstsein, Engagement, Resilienz und Motivation zurück. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie des Onine-Magazins "Leadership-Insiders".
  • Sie können wirtschaftlich herausfordernde Zeiten besser überbrücken, wenn ein eingearbeiteter Arbeitnehmer zeitlich begrenzt das Unternehmen verlässt und im Nachhinein wieder zur Verfügung steht.

Der Nachteil für Arbeitgeber besteht darin, dass das Unternehmen für die Sozialversicherungsbeiträge während des Sabbaticals aufkommt. Auch, einen geeigneten Ersatz zu finden, kostet Aufwand, Ressourcen und Zeit.

Modelle des Sabbaticals

Zur Finanzierung des Sabbaticals gibt es unterschiedliche Lohnmodelle. Die Angestellten verzichten dabei entweder auf einen Teil Ihres Lohnes oder erbringen zusätzliche Überstunden, die gesammelt, und später als Lohn wieder ausbezahlt werden; die Ansparphase kann über Jahre hinweg laufen.

Sabbatjahr durch Lohnverzicht

Lohnverzicht ist das in Deutschland am häufigsten angewandte Lohnmodell zur Finanzierung eines Sabbatjahres. In diesem Modell verzichtet der Arbeitnehmer für die Dauer von beispielsweise sechs Jahren auf ein Siebtel seines Lohnes. Im Anschluss kann er ein Sabbatical von einem Jahr nehmen, und erhält Lohn in Höhe von 85 % seines Grundgehaltes (ebenfalls sechs Siebtel). Die Dauer der Ansparphase und die Dauer der Freistellung sind immer Einzelfallentscheidungen und müssen mit dem jeweiligen Arbeitgeber individuell abgestimmt werden.

Sabbatical im Teilzeitmodell

Der Arbeitnehmer vereinbart mit dem Arbeitgeber eine Teilzeitbeschäftigung; trotzdem arbeitet er in Vollzeit und spart seine Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto an. Diese werden während des Sabbaticals als Lohn ausgezahlt. Voraussetzung dafür ist jedoch eine vertragliche Regelung mit dem Arbeitnehmer zur Übernahme von Überstunden. Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Teilzeitmodelle erfolgt die Berechnung jeweils nach dem individuell genutzten Teilzeit-Modell und muss mit dem Arbeitgeber abgestimmt und vertraglich festgehalten werden.

Wer beispielsweise fünf Jahre mit 80% seines Gehalts auskommt, kann danach ein ganzes Sabbatjahr bei vollem Lohn für sich in Anspruch nehmen. Wer dagegen nur auf 15% seines Gehalts verzichten will, muss siebeneinhalb Jahren warten, bis er die Möglichkeit zu einem voll bezahlten Sabbatical hat.

Generell können Lohn- und Arbeitszeitminderung zwischen 60 und 90 Prozent liegen. Wie bei allen Modellen ist die individuelle Aushandlung mit dem Arbeitgeber entscheidend. Für die Anwendung dieses Modells ist es laut Teilzeitmodell notwendig, dass Sie länger als sechs Monate im Betrieb beschäftigt waren und die Mitarbeiterzahl Ihres Unternehmens größer als 15 Personen ist.

Sabbatical durch Arbeitszeitguthaben

Bei dieser Finanzierungsform werden geleistete Überstunden über Jahre hinweg gesammelt und während des Sabbaticals als Lohn ausgezahlt. Dabei ist es möglich, auch zukünftige Überstunden einrechnen zu lassen. Wer pro Tag etwas mehr als anderthalb Stunden länger arbeitet, kann nach fünf Jahren ein ganzes Sabbatjahr nehmen. Der Vorteil dieses Modells liegt darin, dass Arbeitnehmer auch während der Ansparphase vollen Lohn erhalten. Der Nachteil liegt in der kontinuierlichen Mehrbelastung. Voraussetzung für dieses Modell ist die genaue Erfassung der Überstunden.

Sabbatical durch Zeitwertguthaben

Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des vorigen Modells. Hier können zusätzlich zu den geleisteten Überstunden auch das 13. Monatsgehalt, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Bonuszahlungen, Prämien oder ungenutzte Urlaubstage auf dem Arbeitszeitkonto angespart werden. Eine entsprechende Regelung dazu muss jedoch im Arbeitsvertrag vorhanden sein.

Mit diesem Modell verkürzt sich die Ansparphase mitunter drastisch. Wir empfehlen, bei der Anwendung dieses Finanzierungsmodells ein Contractual Trust Arrangement (CTA) mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren. Damit sichern Sie Ihr Guthaben gegen eine eventuelle Insolvenz des Unternehmens ab.

Sabbatical durch das Fondsparmodell

Das Fondsparmodell ist eine weitere Modifikation des Ansparens von Arbeitszeit: Auch hier können Überstunden, Weihnachts- bzw. Urlaubsgeld, Bonuszahlungen, Prämien etc. auf einem Arbeitszeitkonto angespart werden. Der Unterschied besteht einzig darin, dass der Arbeitgeber das angesparte Geld in einem Investment-Fonds anlegen und vermehren darf. Während der Freistellung wird der Arbeitnehmer aus diesem Fonds bezahlt. Inwieweit er auch in den Genuss der Dividenden kommt, muss vorher geregelt werden. In Deutschland ist dieses Modell jedoch noch nicht sehr weit verbreitet.

Vorgezogener Ruhestand durch Sabbatical

Das Sabbatical kann auch dazu genutzt werden, vorzeitig in den Ruhestand einzutreten, entweder vollkommen oder in Teilzeit. Dabei wird das angesparte Zeitguthaben auf das Renteneintrittsalter angerechnet. Hier gilt es wieder, individuell mit dem Arbeitgeber abzustimmen und die entsprechenden Varianten vertraglich festzuhalten. Die Vereinbarung eines CTA, des Contractual Trust Agreements, sollten Sie auch in diesem Fall unbedingt abschließen, um sich gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit Ihres Arbeitgebers abzusichern.

Alternative Möglichkeiten für ein Sabbatical

Alle, die von Ihrem Arbeitgeber kein Angebot zur Finanzierung eines Sabbaticals erhalten, können folgende Optionen nutzen:

  • Sie können sich unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen und das Sabbatjahr finanzieren, indem sie zum Beispiel Gespartes aufbrauchen. Juristisch gesehen handelt es sich dabei um ein ruhendes Arbeitsverhältnis, währenddessen Sie die Kosten der Sozialversicherung selbst tragen müssen.
  • Auch wer ein Sabbatical als Sonderurlaub von weniger als 4 Wochen beantragt, erhält kein Gehalt, doch der Arbeitgeber übernimmt die Beiträge für die Sozialversicherung. Schließt sich Ihr Jahresurlaub nahtlos an den Sonderurlaub an, sind theoretisch zwei Monate Sabbatical über die Beantragung des Sonderurlaubs möglich. Wer Sonderurlaub von mehr als vier Wochen nimmt, ist für die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge wieder selbst verantwortlich.

Welche rechtlichen Besonderheiten müssen beachtet werden?

Die Konditionen für ein Sabbatical müssen vorher genau geregelt und in einem Vertrag festgehalten werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei folgenden Punkten:

  • Dauer des Sabbaticals und der Ansparphase
  • das angewandte Lohnmodell
  • die Höhe der Vergütung während der Auszeit
  • Übernahme der Sozialversicherung
  • freiwillige betriebliche Leistungen, wie die betriebliche Altersvorsorge
  • Kündigungsschutz
  • Anspruch auf Urlaub und Krankheitstage
  • Garantie, in die bisherige Position im Unternehmen zurückkehren zu können

Eventuell ergibt es Sinn, eine Vereinbarung zur Teilzeitarbeit während des ersten Monats oder der ersten Monate nach Wiedereintritt zu treffen, damit Sie Möglichkeit haben, sich nach der langen Pause schrittweise an die Arbeit zu gewöhnen.

Was gibt es bei der Planung eines Sabbaticals zu berücksichtigen?

  • Stellen Sie den Antrag rechtzeitig, denn die Ansparphase beträgt in den meisten Fällen Jahre. Mindestes jedoch sollten Sie Ihrem Arbeitgeber mehrere Monate Zeit geben, einen geeigneten Ersatz für Sie zu finden.
  • Berücksichtigen Sie alle anfallenden Kosten wie zum Beispiel die Miete, offene Rechnungen, Hypotheken, Kredite und Versicherungen – denn diese müssen vom Gehalt oder dem angesparten Vermögen während des Sabbaticals beglichen werden.
  • Beziehen Sie Ihre Familie mit ein.
  • Planen Sie, was Sie während des Sabbaticals unternehmen oder erledigen möchten, denn ein Sabbatical kann schneller vorbei sein, als es einem lieb ist.

Wie überzeugen Sie Ihren Chef zur Genehmigung eines Sabbaticals?

Da es in der freien Wirtschaft keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical gibt, bedarf es immer der Zustimmung des Arbeitgebers. Dabei kann es hilfreich sein, wenn Sie darlegen können, wie ein Sabbatical letztlich auch dem Unternehmen zugute kommt.

Das können unter anderem folgende Punkte sein:

  • berufliche Weiterbildung – mittlerweile hat sich das Sabbatjahr auch als Weiterbildungsmöglichkeit etabliert und wird gern genutzt, um sich zu spezialisieren oder die eigenen Kompetenzen weiter auszubauen. Wenn es Ihnen vor allem darum geht, etwas zu lernen, sollten Sie auch über Bildungsurlaube nachdenken. Je nach Bundesland haben Sie darauf sogar einen gesetzlichen Anspruch von mehreren Tagen im Jahr.
  • ein Sprachkurs in Ländern, die für Ihre Branche relevant sind z.B. China oder Amerika.
  • Interkulturelle Kompetenz aufbauen – besonders wenn Sie in einem international tätigen Unternehmen arbeiten, sind interkulturelle Kompetenzen wichtig, denn Sie lernen, Fettnäpfchen im Umgang mit Menschen anderer Kulturen zu vermeiden.
  • Burnout-Prävention – vor allem Führungskräfte und leitende Angestellte sind permanentem Stress und damit auch einem erhöhten Risiko ausgesetzt, an Burnout zu erkranken. Mit einem Sabbatical treten Sie diesem entgegen.

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