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Jul192016

In Perspektive: James Stirling

Während die Tate Gallery of Modern Art in London die Türen zu ihrem lang erwarteten Neubau öffnet, blicken wir auf die Auswirkungen, die eine überragende Gestalt im architektonischen Erbe der Kunstgalerie auf die Design-Welt hatte.

Verehrt und in gleichem Maße verspottet, war James Stirling zweifellos eine dominante Figur der Architektur des 20. Jahrhunderts; so sehr, dass Großbritanniens angesehenster Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet, der RIBA Stirling Prize, zu seinen Ehren nach ihm benannt worden ist. Aber wer war er, und warum war er so einflussreich, wenn auch auf eine Art und Weise, die so viel Uneinigkeit schafft?

James Frazer Stirling ist vielleicht am besten bekannt für die Dinge, die er in seinen 68 Jahren niemals erreichte. Im Laufe seiner Karriere wurde Stirling, der 1924 in Glasgow geboren wurde und im Zweiten Weltkrieg im Fallschirmregiment kämpfte, oft als inkompetenter Visionär gebrandmarkt, insbesondere als noch junger Architekt in den 1960er Jahren.

Eines seiner ersten Designs, die Fakultät für Geschichte an der Cambridge Universität (unten abgebildet), wurde von den Kritikern verabscheut, als sie 1968 eröffnet wurde. Der Architekt wehrte sich gegen die Typisierung, dieser Entwurf würde, zusammen mit anderen frühen Entwürfen, den Grundstein für die Bewegung des "Neuen Brutalismus" legen, der geometrische Linien und Winkel komplett aus Betonfassaden schuf. Seine Entwürfe waren Pionierarbeit in dem Versuch, Stadtansichten auf wirtschaftliche Weise neu zu gestalten.

Fakultät für Geschichte, Cambridge University

Stirling machte weiter und entwarf das Gebäude für Tate Britain in London sowie das Tate in Liverpool, und baute somit auf seinen Designs für Bildungseinrichtungen auf, darunter das Engineering-Gebäude der Universität von Leicester:

Universität von Leicester, Engineering Building

Im Jahr 1981 erhielt Stirling den Pritzker-Preis, welcher heutzutage weltweit als die bedeutendste Auszeichnung für Errungenschaften in der Architektur angesehen wird. Doch da der Preis noch jung war (Stirling war erst der dritte Sieger) schaffte Stirling es nicht, den vollen Nutzen aus seiner späteren Prestigeträchtigkeit zu ziehen und schuf anschließend eine ganze Reihe von Gebäuden, die als Misserfolge galten.

1984 dann wurde, basierend auf Stirlings heute gefeiertem Entwurf, die Stuttgarter Staatsgalerie (unten abgebildet) eröffnet.

Staatsgalerie Stuttgart

Die Winkel und das bunte Design des Gebäudes trugen dazu bei, dass dieses als Inbegriff der Postmoderne angesehen wird. Viele von Stirlings Visionen kamen nie zum Tragen und blieben ungebaut. Aber vielleicht lag seine größte Auszeichnung in seiner gewagten Weigerung, konform zu sein, in seiner Rebellion, und ja, auch in seinem Versagen. Durch dieses Scheitern nämlich, und durch die Verhöhnung, die es ihm einbrachte, schaffte er es, die Möglichkeiten der modernen Bewegung und der architektonischen Gestaltung als Ganzes zu überschreiten.

Vor allem aber war er originell und störend, indem er die akzeptierten Komponenten der ersten modernen Bewegung in Frage zu stellen und zu untergraben versuchte. Trotz seines Vermächtnisses von nur wenigen abgeschlossenen Bauwerken, reicht sein wegweisender Einfluss auf die Erschütterung des Status Quo und die Möglichkeiten der modernen Architektur weitaus weiter als die Werke, welche heute in Städten zu sehen sind.


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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Dienstag, den 19.07.2016 und ist abgelegt unter Bauwirtschaft. Sie können unseren RSS 2.0 News Feed hier abonnieren.

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