Sam Honarvar ist 32 Jahre alt und arbeitet seit Mai 2017 als Senior Consultant für Cobalt Recruitment in Düsseldorf. Wie er uns erklärt, liegt sein Fokus hauptsächlich darauf, ein nachhaltiges Netzwerk zu Kunden und Kandidaten aufzubauen. Trotz alledem ist seine Arbeit breitgefächert, denn von der Kandidatensuche bis zur endgültigen Vermittlung liegen viele Stunden Arbeit. Im Interview verrät er uns unter anderem, warum und wie er zu dem Job kam.

Recruitment Hanarvar Sam

Was ist deine Aufgabe bei Cobalt Recruitment?

Mein Aufgabenumfeld umfasst die gesamte 360-Grad-Personalberatung. Ich habe direkten Bezug und Kontakt zu Kunden und Kandidaten

Als ein Ansprechpartner, der das Projekt vollumfänglich betreut und abwickelt, bin ich immer up to date und kann so als Schnittstelle zwischen allen Beteiligten fungieren. Mein Aufgabenfeld im Detail ist sehr vielfältig. Um das zu vereinfachen, breche ich das mal grob auf 3 Bereiche herunter. Das sind Projektakquise, Projektabwicklung und Prozesssteuerung.

Für die Projektakquise versuche ich mich stetig up to date zu halten und recherchiere was gerade auf dem Markt passiert. Ankündigungen über Fusionen, ARGE-Zusammenschlüsse, Unternehmen, die Expansionen tätigen, Insolvenzen, Start-Ups, die sich gerade etablieren, bis hin zu größeren Bauvorhaben, die in der IZ oder sonstigen Social-Media-Kanälen veröffentlicht werden.

Wenn ich mit Kunden zusammensitze, ist es notwendig, über das aktuelle Geschehen in der Immobilienwirtschaft Bescheid zu wissen, um sowohl eine qualifizierte Aussage über die aktuelle Marktlage treffen zu können, und, noch viel wichtiger, um in der Lage zu sein einzuschätzen, wie wir unterstützen können. 

Projektabwicklung: Genauso wichtig für meinen Job ist es, ein gutes Kandidatennetzwerk und eine gute Kandidatenbeziehung aufzubauen sowie diese zu pflegen. Letztendlich geht es in meinem Job darum, das passende Qualifikationsprofil, also, den passenden Kandidaten mit dem passenden Anforderungsprofil der passenden Position zusammenzuführen. Dabei ist eine gute Kandidaten- und Kundenbeziehung elementar für den Erfolg. 

Schafft man es, eine gute Beziehung zum Kandidaten und zum Unternehmen aufzubauen, qualitativ hochwertige Arbeit abzuliefern, so wird man natürlich auch nicht nur einmal Erfolg haben, sondern nachhaltig erfolgreich sein, sodass man auch empfohlen wird. Die Empfehlung, die zufriedene Kunden und Kandidaten im eigenen Netzwerk aussprechen, ist, meiner Meinung nach, unbezahlbar. 

Bezüglich Prozesssteuerung: Auch in diesem Punkt spiegelt sich eine gute Kunden- und Kandidatenbeziehung wider und ist elementar für den Erfolg. Je näher ein Berater am Prozess ist und vor allem je offener, direkter und ehrlicher er kommunizieren kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das Projekt erfolgreich abzuwickeln.

Es gibt viele Faktoren, die in die Entscheidung mit einfließen. Hier sind mal zwei Beispiele: das erste aus der Kandidatenperspektive. Ein guter Berater muss im Vorfeld Faktoren, wie beispielsweise Ehepartner, schulpflichtige Kinder, soziales Umfeld, Reisebereitschaft, Pendelweg, usw. berücksichtigen. So sensibilisiert man schon in den ersten Schritten den Kandidaten für die Thematik und dieser kann sich damit bereits im Vorfeld auseinandersetzen. So kommt es am Ende zu keinem „bösen Erwachen“.

Nun ein Beispiel aus der Kundenperspektive: Ich sage immer, lieber eine Frage zu viel stellen, als eine zu wenig und dabei einen falschen Fokus setzen. Denn dies spart vor allem Zeit. Eine gute Kundenbeziehung ist demnach wichtig, um eine Bereitschaft zu generieren, sodass der Kunde auch mit an Bord ist und wir als Team bzw. Partner voranschreiten. Es gibt sehr viele Mitbewerber und nur durch eine gute Kundenbeziehung, durch das Commitment des Kunden und durch qualitativ hochwertige Prozesssteuerung- und -abwicklung kann man sich hervorheben. 

Auf welche Berufsfelder bist du spezialisiert?

Ich bin spezialisierter Berater im Bereich Construction & Technical Real Estate. Ich vermittle alle technischen Berufsbilder ab der Fach- und Führungsebene entlang des Lebenszyklus‘ einer Immobilie. Vom technischen Projektentwickler bei der Bauvorbereitung, bis hin zu allen Berufsbildern, die es beim tatsächlichen Bau gibt, also Bau- und Projektleiter, technische Einkäufer, Kalkulatoren und nicht zuletzt auch alles rund um die technische Bewirtschaftung einer Immobilie, also z. B. Abteilungs- , Bereichs- und Teamleitung sowie Niederlassungsleitung und Geschäftsführung.

Was hat dich für diese Aufgabe qualifiziert? Welcher Weg hat dich zu Cobalt Recruitment geführt?

Paradoxerweise bin ich selbst durch Personalberatung auf Cobalt aufmerksam geworden.

Eine Personalberatung, die eine Personalberatung beauftragt. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen, wenn man nicht aus dieser Branche kommt. Ich war ehrlicherweise sehr überrascht und irritiert, habe mich aber glücklicherweise doch auf das Gespräch eingelassen und kann das jetzt im Nachhinein nachvollziehen. 

Was mich qualifiziert - das ist eine sehr gute Frage. 

Ich habe einen Bachelor mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie, Konfliktmanagement und HR sowie einen MBA in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt interkulturelles Management und Marketing. 

Die erste Berührung mit der Baubranche hatte ich während meines Studiums in den USA, um genau zu sein, in San Diego. Ich war an der San Diego State University. Dort hatten zwei Freunde ein Start-Up mit dem Fokus Student Housing gegründet - möblierte Unterkünfte für deutsche Studenten. 

Nachdem ich dann von einem Objekt überzeugt war und die Zusammenarbeit sowie die Konditionen stimmten, hatte ich bereits einigen Kommilitonen geraten, ebenfalls bei den Jungs zu unterschreiben. Damit hatte das Start-Up nicht gerechnet und weil es sie so gefreut und imponiert hat, machten sie mir sofort ein Jobangebot. So habe ich nicht nur ein Auslandspraktikum in Amerika bekommen, sondern auch noch zwei gute Freunde fürs Leben gewonnen.

2016 bin ich dann mehr oder weniger in die Personalberatung gestolpert. Ich habe mich nach ca. 14 Jahren in einer Branche kurzerhand für eine neue Karriere entschieden. Dabei wollte ich natürlich meine Stärken aus dem Vertrieb, Kommunikation und direkte Zusammenarbeit mit Menschen beibehalten, damit ich nicht 24h vor dem Computer verbringe. Mir war von vornherein klar, dass ich keinen typischen Bürojob haben möchte. Eine gesunde Balance aus allem ist das, was zählt. Insbesondere wollte ich meine angeeigneten Fähigkeiten in die neue Herausforderung hineinfließen lassen können.

Kannst du einen typischen Arbeitstag von Dir beschreiben? 

Nein, nicht wirklich, denn bei mir ist jeder Tag unterschiedlich strukturiert. Was sich aber nie ändert, ist die wichtigste Frage des Tages und die wird bereits vor 10 Uhr thematisiert. „Was essen wir heute zum Mittag?“ Spaß beiseite, jeder Berater kann sich seinen Tag bei uns selbst organisieren und sich seine Schwerpunkte setzen.

Woraus ein Arbeitsalltag besteht bzw. welche Kernpunkte es gibt, kann ich dennoch gerne nennen. Wir bedienen vollumfänglich die 360-Grad-Personalberatung, Projektakquise und Projektabwicklung. Und wir sehen uns alle mehr als Familie, helfen uns gegenseitig und lernen auch gern voneinander. Es findet also ein regelmäßiger Austausch statt, denn jeder von uns hat sein eigenes Netzwerk aufgebaut und wenn ich mal nicht weiter weiß, kann ich jederzeit meine Kollegen anrufen und nach Strategien, Empfehlungen oder Ideen fragen. Das ist ein sehr großer Mehrwert, den wir im Unternehmen haben.

Was ist wichtiger für die Arbeit als Consultant, Menschenkenntnis oder die Sachkenntnis in der Branche in der du Personal vermittelst?

Meines Erachtens lässt sich das beides nicht voneinander trennen. Beides baut aufeinander auf und ist notwendig für den Erfolg.

Kannst du uns anhand eines Beispiels erklären, wie du den jeweils richtigen Mitarbeiter auf eine Stelle findest?

Wir suchen immer auf drei Kanälen. Anzeigenschaltung, Netzwerk, welches in Kombination mit unserer Datenbank steht und natürlich das Headhunting. Dabei geht es darum, potenzielle Kandidaten auf dem Markt zu identifizieren, Kontaktdaten herauszufinden und in die Ansprache zu gehen.

Was kannst du anhand der Bewerbungsunterlagen entscheiden?

Im besten Fall kann man nachvollziehen, was der Kandidat in den vergangenen Jahren gemacht hat. Einige machen es wirklich sehr ausführlich, andere schreiben dafür einfach nur einen Einzeiler.

Wenn wir herauslesen können, wo der Kandidat beschäftigt war, kann man die Leistung des Unternehmens recherchieren. Somit erkennt man, was das Unternehmen gemacht hat und kann in etwa erwägen, wo er seinen Fokus hatte.

Anhand der Beschäftigungsdauer kann man herausfinden, ob es ein loyaler Kandidat oder bloß ein Jobhopper ist. Außerdem ist durch den Ausbildungshintergrund viel abzulesen, gegebenenfalls wie ambitioniert der Kandidat ist, ob er sich um beispielsweise Weiterbildungsmaßnahmen gekümmert hat usw. Seine Interessen sind ebenfalls ausschlaggebend. Ob er ein Einzelkämpfer oder ein Teamplayer ist, sieht man anhand seiner Hobbys. Diese Informationen kann man ziemlich gut aus den Bewerbungsunterlagen anhand von einem aktuellen Lebenslauf und Zeugnissen herausfinden.

Wann suchst Du das persönliche Gespräch?

Also im besten Fall immer. Denn das ist wieder ein Punkt, wo wir uns von einigen Mitbewerbern unterscheiden. Wir sind hier im People Business, der persönliche Austausch ist für die zukünftige Zusammenarbeit meines Erachtens ausschlaggebend. Wenn ich jedoch sehe, dass der Kandidat innerhalb von 10 Jahren, 7 Mal den Arbeitgeber gewechselt hat, dann versuche ich natürlich erst mal telefonisch herauszufinden, wieso das der Fall war. Wenn er es plausibel erklären kann, dann lade ich diesen Kandidaten dennoch zum persönlichen Gespräch ein.

Letztendlich werden wir für die Zeit bezahlt, die wir für den Kunden und für das Projekt investieren. Da bin ich natürlich dem Kunden gegenüber auch Rechenschaft schuldig und wenn der Kandidat absolut keinen Mehrwert für meinen Kunden darstellt, dann würde ich in dem Fall auf ein persönliches Gespräch verzichten bzw. die Unterlagen dankend ablehnen.

Ein Teil Deiner Arbeit besteht auch darin, dass Kandidaten sich an Dich wenden können, wenn diese ihre Karrierechancen verbessern möchten. Welche Informationen brauchst Du von ihnen, um sie beraten zu können?

Die Unterlagen wie aktueller Lebenslauf und Zeugnisse sind meist sehr aussagekräftig. Ich rate immer dazu, sich die Zeit zu nehmen und sich das Ganze gründlich zu überlegen, bevor man eine Entscheidung trifft und diese dann später bereut. Man sollte alle Faktoren berücksichtigen und vor allem ein realistisches Eigenbild haben. Welche Stärken, Schwächen und vor allem Interessen hat man. 

Des Weiteren rate ich natürlich dazu, dass man in sich kehrt, herausarbeitet, was der nächste Karriereschritt ist und was man von der neuen Stelle erwartet. Möchte man sich fachlich weiterbilden oder tendiert man eher dazu nicht aus seiner Komfortzone herauszukommen. 

Wenn man diese Fragen im Voraus für sich selbst erarbeitet und reflektiert, dann hat man eine viel bessere Entscheidungsgrundlage. 

Und welche Angebote kannst Du dann machen?

Wir arbeiten ausschließlich mandatiert. Hinter jeder Vakanz steht also ein konkretes Mandat mit einem aktuellen Bedarf. Jeder von uns hat seine eigenen Kunden und kennt den Bedarf am besten und dadurch, dass wir diese Kenntnisse miteinander teilen, generieren wir einen Mehrwert. Dazu kommt, dass sich jeder von uns mit Ideen einbringt. Mit diesen Ideen können wir letztendlich auf die Kandidaten zugehen. Es gibt auch Fälle, in welchen wir mit den Kunden vereinbart haben, dass wir Empfehlungen aussprechen, wenn wir von Kandidaten überzeugt sind.

In Bezug auf die Branche, auf die du spezialisiert bist. Welche beruflichen Trends siehst Du für die kommenden Jahre? Auf welchen fachlichen Gebieten wird es zu Vakanzen kommen. In welchen Bereichen bestehen die besten Karrierechancen?

Schwer zu sagen. Ich habe letztens ein sehr interessantes Gespräch mit einem Kunden in der Versicherungsbranche gehabt und genau diese Trends haben wir thematisiert. Viele Jobs, in allen Branchen, können heutzutage schon durch Maschinen ausgeführt werden. Sicherlich wird dieser Trend auch zunehmen und weitere Tätigkeiten werden dem Ganzen zum Opfer fallen. Aber ich bin der Meinung, dass im gleichen Zuge täglich neue Berufsbilder und Aufgabenbereiche entstehen.

Wir unterliegen einem stetigen Wandel und einige Berufsbilder werden sich ebenso verändern wie der Markt. In welchem Beruf die Karrierechancen am größten sind, kann ich nicht sagen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, egal in welcher Branche oder welchem Berufsbild und jeder erntet die Früchte seiner Arbeit. Es kommt immer auf die persönliche Einstellung an, den Einsatz, den man erbringt und die Motivation, die man hat, um sich weiterzuentwickeln.

In Bezug auf die Region, für die Du tätig bist, welche Besonderheiten siehst Du auf dem regionalen Arbeitsmarkt?

Die Bau- und Immobilienbranche boomt derzeit, daher würde ich mich von dem Begriff regionaler Arbeitsmarkt distanzieren wollen. Klar, es gibt attraktive Standorte und etwas weniger attraktive Standorte, zu denen man gerne wechseln würde oder eben nicht.

Aber letztlich ist die Unternehmensphilosophie das Wichtigste sowie die Wahrnehmung auf dem Markt basierend auf sozialem Engagement, Mitarbeiterzufriedenheit und der aktuellen der Projektlage.

Was war Dein größter Erfolg bei Cobalt bislang?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Prozessbezogen zähle ich jede Vermittlung als großen Erfolg, da jeder Prozess anders ist und ein anderes Fingerspitzengefühl verlangt. Man hat eben mit verschiedenen Charakteren zu tun, sowohl auf Kunden- als auch auf Kandidatenseite.

Bezogen auf meine persönliche Entwicklung sind meine zwei Beförderungen meine größten Erfolge.

Was schätzt Du an der Arbeit bei Cobalt?

Was ich schätze, ist die Freiheit, sich selbst zu organisieren, unsere familiären Strukturen und natürlich die leistungsgerechte Vergütung. 

 

Schnelle Fragerunde:

Im Auto/unterwegs höre ich am liebsten:

Radio.

Wenn ich ein Tier sein könnte, wäre ich gerne: 

Von Kindesbeinen an liebe ich König der Löwen. Als ich noch ein Kind war, wollte ich immer Simba sein, ein Löwe. In dem Zeichentrickfilm sieht man so schön die Entwicklung vom kleinen Löwen bis zum König der Löwen. Von daher, ein Löwe, weil auch persönlich für mich meine Entwicklung an erster Stelle steht. 

Mit dieser berühmten, lebenden oder bereits toten Persönlichkeit würde ich gerne einmal einen Tag verbringen:

Da gibt's viele, wenn ich ehrlich bin, sehr viele. Ich bin mit der Musik von Michel Jackson aufgewachsen und konnte es mir in jungen Jahren damals nicht leisten ein Konzert von ihm zu besuchen. Und als es bei seiner letzten Tour finanziell endlich möglich gewesen wäre, naja, wir wissen ja alle wie das Ganze ausgegangen ist.

Mein Lieblingsbuch (oder Lieblingsfilm oder Lieblingsserie):

Game of Thrones

Meine Kollegen schätzen an mir:

Meine Kölsche Frohnatur. Ich bin stolzer Kölner und liebe meine Stadt. Ich bin wirklich ein ehrlicher Mensch und versuche immer fair zu sein. 

Eine „Sünde“, auf die ich auf keinen Fall verzichten will, ist:

Das ist auch einfach. Gin Tonic.